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E-Mail von Gott

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Veröffentlicht von Jürgen Lessat in Corona-Pandemie · 12 Februar 2021
Tags: Schiffmann
Zurück aus der Schweiz: Bodo Schiffmann ist wieder in Deutschland - und schert sich offenbar nicht um die Quarantänepflicht. Die Staatsanwaltschaft durchsucht erneut die Praxis des Corona-Querdenkers.

Vor wenigen Tagen noch weilte Bodo Schiffmann in der schönen Schweiz. Wie berichtet hatte POlitoGO.de Ende Januar den Sinsheimer HNO-Arzt im Skiort Arosa aufgespürt. Dort war er im Nobelhotel Kulm abgestiegen. => "Dr. Querdenker im Luxus-Exil"

Seit wenigen Tagen ist der Mitbegründer der Querdenker-Bewegung wieder in Deutschland. Am vergangenen Freitag (5. Februar 2021) tauchte Schiffmann in Weißenhorn auf. In der
bayerischen Kleinstadt rund 20 Kilometer südöstlich von Ulm trat er als "Special guest" bei einer Kundgebung der Gruppe "Klardenken Schwaben" auf. Zur Versammlung auf dem Marktplatz, Motto: "Für unsere Rechte und eine Impffreiheit", kamen mehrere hundert Teilnehmer. Im Internet findet sich ein Video von Schiffmanns Rede, in der er seinen "Brüdern und Schwestern" erzählt, Gott um Hilfe gebeten und darauf eine E-Mail erhalten zu haben. Deren Botschaft: "Wir sind die Gesandten Gottes". Die Polizei erteilte 92 Personen Platzverweise, weil sie keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen. Zehn Personen zeigten Atteste gegen die Maskenpflicht vor.

Bodo Schiffmann als "Special guest" bei Corona-Demo am 5.2.2021 in Weißenhorn Quelle Twitter
Bodo Schiffmann als "Special guest" bei Corona-Demo am 5.2.2021 in Weißenhorn (Quelle Twitter)
Zwei Tage später, am Sonntag 7. Februar 2021, trat Schiffmann mit den schwäbischen IT-Unternehmer Wolfgang Greulich bei einer Querdenken-Demo im hessischen Michelstadt auf. Rund 300 Teilnehmer lauschten seiner Rede. Auf Videos von der Demo ist zu hören, wie ein weiterer Redner den Hit „Die Hesse komme!“ von den Rodgau Monotones einspielt. Die Kult-Band verwehrte sich kurz darauf auf Facebook "gegen jegliche Vereinnahmung rechter, rassistischer, antisemitischer, querdenkender Gruppen oder Parteien durch Verwendung unserer Songs und/ oder unseres Bandnamens".

Rodgau Monotones Facebook Post
Facebook-Post der Rodgau Monotones
Die Auftritte Schiffmanns werfen Fragen auf. Denn laut der aktuellen Einreise-Quarantäneverordnung (EQV) müssen sich Personen, die aus sogenannten Risikogebieten nach Deutschland einreisen "unverzüglich und auf direktem Weg" in eine zehntägige Selbstisolation begeben. Den Betroffenen ist es in diesem Zeitraum nicht gestattet, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht ihrem Hausstand angehören. Sie müssen zudem die Behörden unverzüglich zu informieren, wenn typische Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus wie Fieber, trockener Husten oder Störung des Geschmacks- oder Geruchssinns innerhalb von zehn Tagen nach der Einreise auftreten. Für die Zeit der Absonderung unterliegen Personen in Quarantäne der Beobachtung durch die zuständige Behörde.

Screenshots Telegram-Kanal Alles außer Mainstream

Die Schweiz, in der Schiffmann nach POlitoGO.de-Recherchen mindestens zwischen dem 24. und 28. Januar 2021 weilte, ist seit 24. Oktober vergangenen Jahres vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiet eingestuft. Eine zehntägige Selbstisolation wäre für Schiffmann somit frühestens am 8. Februar zu Ende gewesen, einen Tag nach seinem Auftritt im hessischen Michelstadt. Mit seinen öffentlichen Demo-Auftritten hätte er damit gegen die Quarantänepflicht verstoßen - außer er hätte sich selbst negativ auf eine Corona-Infektion testen lassen. Die Durchführung eines PCR-Tests, um die Quarantänedauer zu verkürzen, ist frühestens nach dem fünften Tag der Selbstisolation möglich. Schiffmann selbst bezeichnete auf seinen Socialmedia-Kanälen PCR-Tests mehrfach als nicht seriös. Auf schriftliche Anfrage reagierte er nicht.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg sah auf Nachfrage durch die öffentlichen Auftritte während der mutmaßlichen Quarantänezeit zunächst
keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für das Vorliegen einer verfolgbaren Straftat. Man führe diesbezüglich kein Ermittlungsverfahren.

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Wie ernst Schiffmann Corona-Verordnungen nimmt, verrät er in einem seiner Videos. Demnach flatterten ihm bereits mehrere Strafanzeigen wegen Verstößen dagegen ins Haus. Zuletzt, weil er die Kontaktbeschränkungen an Weihnachten ignoriert hatte. Heilig Abend hatte er demnach nicht coronakonform in größerem Kreis gefeiert und dies ins Internet übertragen. Unter den Zuschauern war auch ein Polizist, der Schiffmann daraufhin anzeigte.

In dieser Woche beschränkten sich die Strafverfolger nicht aufs Zuschauen. Am Mittwochnachmittag durchsuchte vier Polizeibeamte und zwei Staatsanwälte erneut das Wohnhaus und die Praxisräume Schiffmanns in Sinsheim. Angeordnet wurde die Durchsuchung auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg, um dem Verdacht nachzugehen, wonach Schiffmann "in einer Vielzahl weiterer Fälle unrichtige Gesundheitszeugnisse ausgestellt" hat. Diese sollen aus angeblichen medizinischen Gründen von der derzeit bestehenden Pflicht, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, befreien. Bereits im vergangenen Oktober waren die Räumlichkeiten gefilzt worden. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass die angeblichen Patienten teilweise mehrere hundert Kilometer von Sinsheim entfernt wohnen und so der Verdacht besteht, dass Schiffmann sie nie auf Gründe für eine Befreiung von der Maskenpflicht untersucht hat. Sprich, Blanko-Atteste ausgestellt hat. Bei einer Verurteilung drohen bis zu zwei Jahren Haft oder empfindliche Geldbuße.

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Die Durchsuchung musste nach POlitoGO-Informationen am späten Mittwochabend abgebrochen werden, da die Beamten nicht über entsprechende Kenntnisse verfügten, um die IT-Ausstattung der Praxis näher zu untersuchen. Die Räumlichkeiten wurden deshalb amtlich versiegelt. Am Donnerstagmorgen wurde die Durchsuchung mit Hilfe von EDV-Experten zu Ende geführt. Beschlagnahmt wurden unter anderem Schiffmanns Handy sowie zwei Laptops. Nicht auffindbar blieb offenbar einen zentraler Server, wie Schiffmann selbst auf seinem Telegram-Kanal berichtet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg dauern seither an.

Noch am Mittwoch hatte der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz* auf Socialmedia-Kanälen über die Durchsuchung bei Schiffmann berichtet und zu einer Kundgebung aufgerufen.
Laut Polizei fanden sich am frühen Donnerstagmorgen bei klirrender Kälte rund 100 Teilnehmer vor der Sinsheimer GRN-Klinik ein, in der sich die Praxisräume Schiffmanns befinden. "Meine liebe Frau hat das erste Mal gesprochen", zeigte sich ein erschöpft wirkender Schiffmann am gleichen Abend auf seinem Telegram-Kanal zufrieden mit der Unterstützung. Der Mietvertrag für seine Praxisräume in den Sinsheimer GRN-Kliniken war dem Mediziner bereits im November gekündigt worden. Wie berichtet haben die Kliniken inzwischen Räumungsklage eingereicht.
Titelbild: Schiffmann am 7.2.2021 bei Demo in Michelstadt (Screenshot https://youtu.be/pGXKT1cjl8U)
Bilder Fließtext: Screenshots Telegram-Kanal Alles außer Mainstream
* Hier war im Ursprungstext versehentlich ein anderer Name als Markus Haintz angegeben.  

Diese Recherche ist ihren Preis wert




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